26.02. – 02.03.18 – Zweite Woche auf dem Campus
- andrina37
- 28. März 2018
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 10. Mai 2021

In der zweiten Woche merkte ich bereits, dass ich dem Unterricht besser folgen konnte. Ich konnte mich bei Diskussionen beteiligen und verstand das Englisch meiner Dozenten und Mitstudierenden schon viel besser. Jedoch hatten Vera und ich immer noch um 06:30 Uhr Mathematikvorlesung. Etwas, an das ich mich wohl nie gewöhnen werde. Trotzdem wurde Mathematik zu einem meiner Lieblingsfächer. Vielleicht, weil der Stoff mir bereits bekannt und deshalb nicht wirklich schwer war und mein Dozent mich immer wieder aufrief, um etwas zu demonstrieren oder zu erklären. Bisher hatte ich bereits Lektionen in jedem Fach, bis auf Chichewa. Diese Lektionen fielen in der ersten Woche immer wieder aus irgendwelchen Gründen aus.
Am Dienstag waren wieder Observations angesagt. Dieses Mal ging meine Gruppe nach Liwonde. Ich freute mich sehr darauf, da ich so ein wenig mitbekomme, wie die Schulen von Malawi funktionieren. Ich beobachtete sehr viele Unterschiede zur Schweiz. Zum Beispiel fassten teils Klassen über 100 Lernende. Somit sitzen meistens 4 oder sogar mehr Kinder an einem Pult. Es kommt oft auch vor, dass sie gar keine Tische und Stühle haben, dann sitzen die Kinder einfach am Boden. Auch merkte ich, dass sie in den Primarschulen das selbe Gruppensystem haben, wie wir am TTC. Nämlich sitzen die Kinder immer in einer fixen Gruppe. In dieser Gruppe wird dann gearbeitet und diskutiert, wenn die Lehrperson eine Gruppenarbeit ansagt. Dies erleichtert die Zeiteinteilung, da die Gruppen nicht noch gebildet werden müssen. Allgemein sind die Ressourcen in den Klassenzimmern, so wie wir sie kennen, sehr knapp. So ist es zum Beispiel schon Luxus, wenn es jedes Kind ein «Students book» eines Fachs zur Verfügung hat. Und die Unterrichtshilfen bestehen meistens aus Lokalen Ressourcen. Die Kinder rechnen mit Steinchen, der Zählrahmen ist aus einem Holzrahmen, Draht und Flaschendeckeln und gebastelt wird einfach mit dem, was in der Umgebung gefunden wird.
Am Mittwochnachmittag ist die letzte Lektion für «Clubs and Societies». Die Studierenden gehen also in verschiedene Clubs wie das «SCOM» (Students Christian Organisation of Malawi), den Buchclub oder andere Gemeinschaften. Für uns heisst das im Music Club den interessierten das Gitarrenspielen beizubringen. Wir gingen also zum Musikraum und warteten darauf, dass jemand mit dem Schlüssel kommt und aufmacht. Mit der Zeit kamen noch zwei/ drei weitere Clubmitglieder. Gemeinsam warteten wir und vertrieben uns die Zeit mit singen. Leider zahlte sich das Warten nicht aus. Es stellte sich heraus, dass der Student, welche den Schlüssel hatte nach Hause ging und ihn mitnahm. Somit mussten wir wohl oder übel auf den Musikclub verzichten.
Am Donnerstag trafen wir uns mit der Deputy Principal, da wir am Samstag gerne mit drei anderen Studenten in den National Park gehen wollten. Wir berichteten ihr von unserem Vorhaben und fragten, ob dies möglich sei. Sie erklärte uns dann, dass die Strassen zum Park momentan, wegen den häufigen und starken Regenfällen, welche wir in der letzten Zeit erlebten, nicht im befahrbaren Zustand seien. Im gleichen Atemzug erwähnte sie aber auch, dass unser Praktikum (teaching practice/ TP) in einer Schule ganz in der Nähe des Parks sei und wir so direkt nach dem TP den Park besuchen können. Mit dieser Lösung konnten wir gut leben.
Am Freitagnachmittag gab es in der Multi Purpose Hall eine Versammlung, in welcher der Principal die Ergebnisse der Wahlen preisgab. Dies war eine ziemlich laute Angelegenheit. Die Studentinnen und Studenten klatschten, riefen und sangen lauthals bei jeder Kundgabe. Alles in allem waren wir sehr zufrieden mit den Ergebnissen. Unsere Freunde, welche kandidierten, wurden praktisch alle gewählt.
In dieser Woche merkten wir dann auch, dass sich Malawi wirklich in der Regenzeit befindet. Es regnete fast jeden Abend mindestens für kurze Zeit. Eines Abends, wir waren mal wieder in den Classes am lernen/ plaudern, begann es so richtig zu schütten. Es schien als hätte der Himmel alle seine Schleusen geöffnet und liesse nun alles Wasser, das er letzte Woche zurückbehalten hat, raus. Und er war eine Menge Wasser. Am Anfang störte es uns nicht gross. Wir waren eh im Klassenzimmer. Jedoch wollte es einfach nicht aufhören zu regnen. So warteten wir eine oder zwei Weilen und hofften, es werde zumindest weniger. Stattdessen aber wurden wir immer müder. Irgendwann entschied ich mich, trotz allem mich auf den Weg zum Hostel zu machen. Ich trat also nach draussen in den Regen und wurde schnell ziemlich nass. Meine malawischen Freunde kamen dann ans Fenster und flehten mich an, wieder ins Zimmer zu kommen. Ich jedoch genoss es gerade im schön abkühlenden Regen zu stehen. Die andern wollten aber nicht aufhören mich dazu zubewegen hinein zu kommen. Ich fragte dann nach, wieso sie so drängen und bekam die Antwort: «Rain causes Malaria.». So erfuhr ich, dass die Malawis denken, dass Regen Malaria verursacht. Ich sagte ihnen, dass dies nicht stimme, ging aber trotzdem wieder ins Klassenzimmer und wartete, bis es endlich genug wenig regnete, um «sicher» in mein Hostel zurückzukehren.

Eines der 7 Klassenzimmer am Campus.




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