20.03.- 23.03.2018 – Die letzten Tage am TTC
- andrina37
- 9. Juni 2018
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 10. Mai 2021

Unsere letzten Paar Tage am TTC waren für die Studenten die letzten Paar Tage vor den Examinations. Während den Unterrichtszeiten hiess das für uns alle, keine Ahnung ob die Dozenten auftauchen werden oder nicht. Einige hatten ihr Modul noch nicht ganz abgeschlossen. Bei denen war klar, sie werden kommen. Aber bei denjenigen, welche ihr Modul mit der Klasse abgeschlossen haben wusste man nicht, ob sie mit den Studierenden alles noch etwas repetieren wollen. Wenn ja, kamen auch die, wenn nein tauchten sie einfach nicht auf. Unsere Mitstudenten nutzten dann die freien Lektionen um selber zu lernen. Corina, Vera und ich beschäftigten uns dann mit anderen Dingen, da wir die anderen nicht ablenken wollten. An den Abenden wurde dann noch bis spät in die Nacht in den Classes gelernt. Hier beteiligten wir uns wieder daran und versuchten unseren Freunden so gut wie möglich zu helfen. Für uns war es zusätzlich noch etwas Quality Time, welche wir mit ihnen verbringen konnten, denn obwohl es und noch immer sehr surreal vorkam, wurde uns mehr und mehr bewusst, dass wir bald gehen werden. So wurde nach dem Lernen immer länger noch geplaudert. Daniel, der Student, der wohl am meisten Zeit mit uns verbrachte, organisierte mit allen dreien von uns ein persönliches Gespräch bei welchem er uns Dinge aufzählte, welche wir für ihn getan haben und uns sagte wie dankbar er uns ist. In diesen Tagen machten wir auch persönliche Geschenke für unsere engsten Freunde und verteilten diese. Es war sehr spannend zu sehen wie unterschiedlich sie darauf reagierten. Auch wurden noch die letzten Erinnerungsfotos geschossen.
Natürlich mussten wir auch noch unsere Gitarren- Mission weiterführen. Wir nahmen sie an einem Abend mal wieder nach draussen und spielten einfach zu dritt etwas. Es ging nicht lange, da waren wieder einige Studenten um uns versammelt. Einer von ihnen, Anthony, fragte mich, ob ich es ihm beibringen könne. Ich gab ihm also die Gitarre, zeigte ihm wie man sie hält und versuchte ihm den ersten Griff beizubringen. Dummerweise klappte es nicht so gut, denn er hatte an seiner linken Hand zu lange Fingernägel. Ich erklärte ihm das Problem und er schien etwas enttäuscht zu sein und verschwand. Erst als es Zeit war das Nachtessen zu fassen, lief er mir winkend entgegen und zeigte mir stolz seine linke Hand. Er habe sich die Nägel geschnitten und könne nun das Gitarrespielen lernen. Ich musste lachen, freute mich aber sehr über seinen Enthusiasmus. Seit da rief er immer freudig aus, wenn er uns sah und fragte nach der nächsten Gitarrenstunde. Wir verabredeten uns täglich am Abend nach dem Teabreak. Leider blieben uns nur 3 Tage übrig, aber ich versuchte ihm möglichst alles, was ich wusste, beizubringen. Anthony behielt sein Enthusiasmus bei und schrieb sich alles auf, was ich ihm erzählte. Die Akkorde zeichnete er sich selbstständig auf und lernte sie sehr schnell auch zu spielen. In unserer letzten Lektion kannte er bereits alle Akkorde, die ich kannte und ich merkte, dass ihm die Strummingpattern auch schon sehr gut liegen. Deswegen brachte ich ihm dann bei, wie man die Saiten wechselt und die Gitarre stimmt. Auch das machte er sehr souverän und ich gab ihm den Auftrag, dies auch den anderen zu zeigen, wenn wir weg sind. Er erzählte mir dann, dass er schon sehr lange den Wunsch hatte, das Spielen der Gitarre zu lernen, hatte aber niemanden, der es ihm zeigen konnte und nun sind wir aufgetaucht und haben ihm seinen langjährigen Wunsch erfüllt. Dies freute mich enorm und brachte mich auf eine Idee. Ich lud alle Gitarrensheets, die ich auf meinem Computer hatte, auf einen Stick. Zu den einen Sheets hatte ich auch die Lieder als Audiodatei, welche ich auch auf den Stick lud. Diesen Stick schenkte ich dann Anthony und sagte ihm, dass ich seine Freude und Motivation grossartig fände und er ein sehr talentierter Spieler sei. Wenn ich wieder nach Malawi käme, würde er bereits besser spielen als ich.
Am Freitagabend gab es eine Versammlung in der Multipurpose Hall, an welchem offiziell bekannt gemacht wurde, dass wir am nächsten Tag abreisen werden. Wir konnten uns so auch von allen Studierenden verabschieden. Wir bedankten uns für die wunderbaren fünf Wochen und versprachen, zurückzukommen – oder es zumindest zu versuchen. Nach der Versammlung kamen viele Studierende zu uns und wünschten uns eine gute Reise «Muyende bwino!» und sagten, dass sie uns vermissen würden. Overchris, ein guter Freund von uns, hat uns zum Abschied ein Lied geschrieben und sang es uns vor. Musadane, die Vizepräsidentin der Studierenden, nähte uns aus Stoff kleine Täschchen. Wir waren so berührt von jedem einzelnen Geschenk. Sie hatten nicht viel, aber gaben uns das, was sie konnten. Ein Lied, ein nettes Wort, etwas selber gemachtes. Wir schätzten das sehr. Wir wollten uns eigentlich noch gar nicht verabschieden. Einerseits, weil wir am nächsten Tag erst um 10:00 Uhr losfahren würden, andererseits aber auch, weil wir am liebsten bleiben wollten. Die Leute hier und dieser Ort wuchs uns in kurzer Zeit sehr ans Herz.
Wir blieben also noch sehr lange wach und schwatzten mit unseren Freunden. Immer wieder wurde jemandem bewusst, dass wir morgen gehen werden und immer wieder versuchten wir das Thema beiseite zu schieben, um nicht daran denken zu müssen. Ca. um Mitternacht mussten wir uns dann aber ins Bett verabschieden, damit wir am nächsten Tag fit für die Reise sind.

Einige der letzten Erinnerungsfotos mit unseren Freunden






































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