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20.02. – 23.02.18 – Erster Schultag / erste Schulwoche

  • Autorenbild: andrina37
    andrina37
  • 26. März 2018
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 10. Mai 2021



Als wir am Dienstagmorgen aufwachten und uns fertig machten, bemerkten wir als erstes, dass es kein Wasser mehr in den Leitungen hat. Wir wurden bereits davor gewarnt und waren deshalb zuversichtlich, dass es bald wieder zurückkommen wird.

Da die Classes bereits um 7:30 Uhr anfangen und uns gesagt wurde, dass es wichtig sei, pünktlich zu sein, gingen wir schon um 7:20 Uhr zu unseren Klassenzimmern. Jedoch war mein Zimmer leer. Bestärkt im Glauben, dass meine Klasse gar nicht existiert, fragte ich jemanden, wo die Klasse J sei. Glücklicherweise lautete die Antwort: «In the main lecture theater.», im Hauptvorlesungssaal. Dort angekommen bemerkte ich, dass die Vorlesung bereits angefangen hatte. Dies verunsicherte mich etwas, denn es war erst 7:25 Uhr. Später erfuhr ich, dass wir im Moment jeden Morgen um 6:30 Uhr Mathematik extra Classes haben. Ich war also fast eine Stunde zu spät. Im Vorlesungssaal waren 4 Klassen anwesend, ich hatte also bis zur nächsten Lektion immer noch keinen Überblick über meine Klasse. Erst als wir dann wieder ins Klassenzimmer gingen konnte ich sehen, dass ich bis jetzt noch niemanden kenne, bis auf eine Studentin, welche in meinem Hostel wohnt. Trotzdem wurde ich wie immer herzlich begrüsst und sogleich einem Platz zugewiesen.

Im Verlaufe des Tages wurde ich etwas mit dem Schulalltag vertraut. Ich erfuhr, dass wir einige Fächer mit anderen Klassen zusammen haben. Das Fach «Expressive Arts» (Kombination aus Musik, Sport, Kunst und Theater) hatte ich mit Corinas Klasse. Auch erlebte ich bereits an meinem ersten Tag zweimal, dass einige Dozenten teilweise einfach nicht erscheinen.

Nach dem ersten Teabreak war es Zeit für «Observations». Dies bedeutet, dass alle Klassen, aufgeteilt in drei Gruppen, in drei verschiedene Primarschulen gehen, um dort eine Lektion zu beobachten. Meine Gruppe ging in die «Demonstration School» des TTC’s. Das ist die Primarschule direkt neben dem College. Corina jedoch ging in die Mtubwi Primary School und Vera fuhr nach Liwonde. Diese Observations gibt es immer Dienstag und Donnerstag morgens und die Gruppen rotieren bei jedem Mal. Am Donnerstag war also meine Gruppe dran nach Mtubwi zu gehen.

Während man einfach zu Fuss zur Demonstration School gehen kann, muss man zu den anderen beiden Schulen fahren. Da der Schulbus jedoch kaputt ist, werden die Gruppen der Grösse von je ca. 100 Studenten mit einem Lastwagen («Lory») transportiert. Dies ist eine holprige, enge, heisse aber auch lustige Angelegenheit. Die Studenten singen während der Fahrt und jubeln, wenn bei einer sehr holprigen Stelle niemand umfällt. Nach dem Beobachten der Lektion, wird mit dem zuständigen Dozenten besprochen, wie sie war. Was war gut, was schlecht? Wie kann man Schwächen beheben? Wir drei konnten jedoch nicht wirklich den Lektionen folgen, da sie alle auf Chichewa waren. Als ich das meinen Mitstudierenden sagte, entschuldigten sie sich (in Malawi entschuldigt man sich immer und für alles) und erklärten mir, dass bis zur Standard 4 (4. Klasse) alle Lektionen auf Chichewa sind, bis auf das Fach Englisch. Ab der 5. Standard wird alles auf Englisch unterrichtet.


In dieser Woche ist schon einiges geschehen. Neben den Observations am Dienstag, liefen die Wahlen zum Schulpresidenten. Dafür konnten sich Studierende bewerben und kandidieren. Die Kandidaten versuchten wie wild Wähler zu gewinnen. Immer wieder wurden wir gebeten, am Stichtag, diese oder jene Person zu wählen. Am Abend, nachdem die Studierenden fertig gelernt haben, also etwa um 22:00 Uhr, machten sie Werbung für ihren Wunschkandidaten. Dies bedeutet, dass laut gesungen, getanzt und den Kandidaten angepriesen wurde. Zudem hatte es immer noch kein fliessend Wasser in unseren Hostels, was bedeutete, dass wir uns mit dem "bucket bathing" vertraut machen mussten. Wir stellten uns, glaube ich, nicht mal so blöd an. Jedoch war es mühsam, so die Haare zu waschen. Deshalb improvisierten wir einfach und benutzten den Wasserhahn hinter unserem Hostel, welcher ab und zu noch etwas Wasser spuckte.


Am Freitagmorgen, während der Mathematikvorlesung, unterbrachen Expressive Arts Dozenten die Lektion, um die anwesenden Klassen zu fragen, wer die Sportart «Handball» kenne. Ich und noch ein Student waren die einzigen welche die Hand hoben. Unsere Namen wurden aufgeschrieben und wir wurden informiert, dass wir und noch ein paar andere Studentinnen und Studenten das Machinga TTC an einem Handballturnier repräsentieren würden. Ich dachte erst, ich müsse selber Handball spielen, bis mir erklärt wurde, dass wir nur zuschauen gehen.

Neben dem Studium, genossen wir je länger je mehr die Teabrakes. Sie wurden fast schon zu einem Lichtblick während den Lektionen. Wir fanden auch heraus, dass man zu dem Tee meistens etwas isst. Dieses Etwas nennt sich «Mandasi». Das sind kleine, süsse Brötchen, welche frittiert wurden. Eine willkommene Abwechslung neben dem Nsima and Beans. Während diesen Pausen wurde uns immer mehr Chichewa beigebracht wovon wir aber vieles am nächsten Tag schon wieder vergessen haben. Gleichzeitig brachten wir einigen Studenten auch etwas Schweizerdeutsch bei. Es gab da zum Beispiel einen, der sehr viel redete. Ihm brachten wir bei «Ich bin en Schnuri» zu sagen. Natürlich erklärten wir ihm auch was es bedeutet. Seit diesem Tag kam er uns immer entgegen und rief: «Ich bin en Schnuri!».

Da alle Studenten nach dem Nachtessen, wieder in den Klassenzimmern sind um zu lernen, war dies auch unser Standartprogramm am Abend. Nur dass wir nicht lernten, sondern viel mehr entweder versuchten zu helfen oder einfach mit den Leuten plauderten und sie so vom Lernen ablenkten.

"Lory"

Auf dem Lory.

Lernende der Mtubwi Primary School.

Outdoor Haarewaschen.


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