17.02. – 18.02.18 - Erstes Wochenende auf dem Campus
- andrina37
- 13. März 2018
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 10. Mai 2021

Nach einer viel zu kurzen Nacht wurden wir um 06:00 Uhr (05:00 Uhr in der Schweiz) geweckt. Wir müssen das Zimmer putzen, wie es hiess. Dies wird jeden Samstag vor dem Morgenessen gemacht, erfuhren wir später. Etwas überfordert mit der Situation, überfluteten wir unser Zimmer mit Wasser und Mob und fielen zurück in unsere Betten. Um 07:00 Uhr gab es dann bereits Morgenessen. Auf dem Weg in die «Multi Purpose Hall», wo wir unser Essen erhalten, erlebten wir verschiedene Reaktionen. Einige starrten uns neugierig an, andere riefen uns «Mzungu» zu und wieder andere ignorierten uns. Die allermeisten jedoch kamen auf uns zu und hiessen uns willkommen («Welcome to Malawi! You are most welcome! Feel free!). Diese Begrüssung wurde dann gefolgt von etlichen Fragen nach unseren Namen, woher wir kommen, wieso wir hier sind, etc. Nach kurzem Anstehen erhielten wir also unsere erste malawisch kulinarische Erfahrung. Es gab Rice- Porridge. Das ist eine süssliche, etwas schleimige Masse aus Reis. Die Faszination war gross, der Hunger jedoch nicht so wirklich. Nach der Hälfte der Portion, mussten wir alle drei zugeben, dass wir eigentlich schon satt waren. Da es aber keine Möglichkeit gab, die Resten wegzugeben und uns das ohnehin unhöflich vorkam, assen wir doch die ganze Portion.
Während dem Essen lernten wir weitere Studenten kennen und beantworteten die uns gestellten Fragen. Gleichzeitig begannen wir uns selbst zu fragen, wie um alles in der Welt wir diese Leute je auseinanderhalten können. Uns kam es nämlich so vor, als sähen alle etwa gleich aus. Dies klingt rassistischer als es gemeint ist! Ehrlich! Alle haben dunkle Haut, kurze, schwarze Haare und braune Augen. Alle diese Eigenschaften treffen übrigens sowohl auf die männlichen als auch auf die weiblichen Studierenden zu. Ausser die Frauen haben gerade Zöpfe in ihre Haare geflochten.
Nach den üblichen Fragen wurden wir von einigen Studenten gefragt, ob wir Musikinstrumente spielen. Als wir dies bejahten wurden wir gleich in den Music- Club eingeladen mit der Aufforderung, ihnen das spielen der Gitarre und des Pianos beizubringen. Da wir von Marc bereits wussten, dass dies eine unserer Aufgabe am TTC sein wird, fragten wir gleich, wann dieser Music- Club denn beginne. Die Antwort lautete 08:00 Uhr. Nach einem kurzen Blick auf die Uhr schauten wir verwirrt auf. Es war bereits 08:05 Uhr. Wir fragten noch einmal nach der Zeit und erwähnten dabei, dass es bereits nach acht war. Die Antwort darauf fasste dann wohl etwa das Zeitmanagement der Malawis zusammen: «Ah maybe around half eight.». Sie müssen noch den Schlüssel für den Musikraum besorgen, dann kann es losgehen, meinten sie. Wir kehrten also in unser Hostel zurück, um uns vorher noch kurz hinzulegen. Jedoch wurde nicht viel daraus. Immer wieder kamen Studentinnen und Dozentinnen an unsere Tür und wollten uns willkommen heissen.
Ca. eine halbe Stunde später kamen wir im Musikzimmer an. Schon einige hundert Meter vor dem Zimmer dröhnte uns Lärm von unkoordiniert gespielten Instrumenten entgegen. Es war ein rechtes Chaos. Man merkte, dass niemand von diesem Music- Club wusste, wie man eines der vorhandenen Instrumente spielt. Die Gitarren wurden falschherum gehalten und waren dazu noch extrem verstimmt. Wir entschieden uns deshalb uns mal diesem Instrument zu widmen. Wir stimmten sie und wechselten fehlende oder kaputte Saiten aus. Nach einiger Zeit konnten wir sogar einem Studenten einige Griffe beibringen.
Nach dem Musicclub gab es einen Tea Break. Diesen gibt es täglich am Morgen und am Nachmittag. Eine weitere Gelegenheit, im Gespräch unsere "fellow students" kennenzulernen.
Um 12:00 Uhr gab es dann Mittagessen. Wir brachten unseren Teller inklusive Löffel mit und nahmen das Essen entgegen. Wir setzten uns direkt neben eine Studentin aus unserem Hostel, welche uns etwas schief ansah und uns dann fragte, ob wir unsere Hände gewaschen haben. Nach einem kurzen Umsehen merkten wir, dass alle mit den Händen essen. Hätte man ganz gut hingehört, hätte man wohl den Groschen fallen hören. Wir standen wieder auf und wuschen unsere Hände. Nun erkundeten wir uns genau, wie man denn Nsima isst. So lernten wir, dass man es nur mit der rechten Hand und schon gar nicht mit dem Löffel ist. Isst man es mit dem Löffel oder mit der linken Hand, so sagt man, wird man im Nachhinein immer noch Hunger haben.
Nach dem Mittagessen sassen wir den Rest des Tages draussen und plauderten mit den Studentinnen und Studenten. Bei dieser Gelegenheit wurden wir in eine Kirche auf dem Campus eingeladen. Anscheinend gibt es am Sonntag in fast allen Schulzimmern und Vorlesungssaale eine andere Kirche.
Nach dem Nachtessen setzte ich mich wieder an meine fachdidaktische Arbeit, während Corina und Vera zu den «Classes» (Klassenzimmer) gingen, um den anderen Studenten Gesellschaft zu leisten.
Am Sonntagmorgen machten wir uns nach dem Morgenessen auf den Weg in die Kirche. Wir waren spät dran, wie wir merkten. Die Predigt hat bereits begonnen. Die war glücklicherweise auf Englisch, so konnten wir ihr gut folgen. Nach der Predigt wurden wir vom Pastor herzlich willkommen geheissen und gebeten uns vorzustellen. Danach wurde aus vollem Herzen gesungen und Gott gelobt. Manchmal sangen sie so laut, dass wir sicher waren, dass man in der Schweiz aus gesetzlichen Gründen wohl Ohropax hätte zur Verfügung stellen müssen. Und trotzdem war es sehr schön. Nach dem Gottesdienst sprachen wir noch etwas mit den anderen Kirchgängern und machten uns dann auf den Weg das Mittagessen entgegenzunehmen.
Am Nachmittag wurden wir von einer Studentin zur Boho (Wasserpumpe) geführt, bei welcher wir Wasser holen können, falls alle Leitungen am Campus trocken sind. Wir hofften, dass dies nie passieren würde, denn die Boho ist etwa 10 Minuten Fussmarsch vom Campus entfernt. Diese Strecke mit gefüllten Kesseln zu laufen stellten wir uns eher mühsam vor.
Den Rest des Tages verbrachte ich damit meine FDA fertig zu stellen.

Unser Hostel.

Unser Zimmer - Eine Seite davon zumindest.

Ein Teil des Campus.

Unser erster Tea Break.




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