11.03.2018 Zomba Mountain
- andrina37
- 5. Juni 2018
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 10. Mai 2021

Am Sonntagmorgen besuchten wir die Kirche auf dem Campus, verliessen sie jedoch frühzeitig, denn wir hatten schon um 11:00 Uhr mit Chimsy in Zomba für die Wanderung abgemacht. Wir machten uns dieses Mal alleine auf den Weg. Normalerweise nahmen wir ja einen oder mehrere Mitstudierende mit auf unsere Wochenendreisen. An diesem Tag wollten wir Wisdom mitnehmen. Der war jedoch übers Wochenende nach Hause zu seinen Eltern gereist und nicht rechtzeitig zurück. Wir reisten also zum ersten Mal alleine mit einem Minibus. Kein Problem, dachten wir uns, wir wissen ja jetzt, wie das geht. Der Anfang klappte auch ganz gut. Wir stiegen in einen Minibus, verweigerten aber zuerst noch 1500 Kwacha zu bezahlen (eine Reise von Machinga nach Zomba kostet 1000MK). Der Bus war vollgequetscht und heiss. Das waren wir uns aber schon gewohnt. Wir fuhren etwa eine Stunde in diesem Bus. Irgendwann fuhr er aber an den Strassenrand und der Beifahrer fing laut mit den anderen Passagieren auf Chichewa zu diskutieren. Wir verstanden rein gar nichts, nur dass dann ab und zu das Wort ‘Mzungu’ fiel. Es ging also irgendwie um uns. Der Beifahrer richtete dann auf Englisch das Wort an mich. Er meinte, dass bald eine Strassenkontrolle käme und sie zu viele Passagiere im Bus hätten. Er fragte, ob wir einen anderen Minibus von hier nehmen könnten. Ich war erst skeptisch, denn wir hatten bereits bezahlt. Dies gab ich ihm auch zu verstehen. Er versicherte mir dann, dass wir sicher nicht nochmals bezahlen müssten. Ich hatte keine grosse Lust lange zu diskutieren, also stimmte ich, nach Absprache mit Vera, zu und betonte noch etwa dreimal, dass wir aber bestimmt nicht ein zweites Mal bezahlen werden. Der Beifahrer bestätigte das und führte uns zu einem anderen Bus. Dort sprach er kurz mit dem anderen Fahrer und verschwand dann wieder mit seinem Wagen. Ganz so wohl war uns bei dieser Sache jedoch nicht. Es muss doch irgendeinen Hacken haben, sonst hätte es im ersten Bus nicht so eine Diskussion gegeben. Wir erfuhren dann nach und nach, was der Hacken war. Erst einmal warteten wir eine Ewigkeit, bis wir endlich losfuhren. Wir waren bereits viel zu spät für unser Treffen mit Chimsy. Wir schrieben ihm, dass es später werden würde. Als es dann endlich losging, fuhren wir für malawische Verhältnisse extrem langsam und hielten wohl an jedem möglichen Ort, wo es potentielle Passagiere gab, an. Wir wurden sehr ungeduldig und genervt. Aber immerhin war der Fahrer um einiges freundlicher, als der erste.
Endlich am Treffpunkt in Zomba angekommen, war Chimsy nirgends zu sehen. Wir warteten also noch eine Weile. Es war inzwischen schon 13:30 Uhr. Wir waren somit 2h und 30min zu spät und hatten riesigen Hunger. Es stellte sich heraus, dass Chimsy schon da war, einfach auf der anderen Strassenseite auf uns wartete. Gemeinsam gingen wir kurz in die Stadt um etwas Essbares zu kaufen und machten uns dann damit auf den Weg Richtung Zomba Mountain. Anfangs gingen wir einer asphaltierten Strasse entlang. Wir plauderten über Gott und die Welt bis Chimsy stoppte und uns einen Weg querfeldein zeigte. Man kann dem eigentlich gar nicht den Namen ‘Weg’ geben. Es sind einfach schon sicher mehrere Menschen dort durchgelaufen. Chimsy erklärte uns, dass sie das einen ‘Potato Path’ nennen. Er war um einiges steiler als die Strasse. Wir liefen also dort hoch und fingen es allmählich an zu bereuen, dass wir nicht morgens wandern wollten. Die Nachmittagssonne brannte auf uns hinab und weit und breit war kein bisschen Schatten in Sicht. Nach einiger Zeit kamen wir wieder an eine asphaltierte Strasse, mit Bäumen am Strassenrand, welche Schatten spendeten. Nach einer kurzen Pause setzten wir unsere Wanderung fort. Schliesslich kamen wir an einen grösseren Stausee. Hier kommt das Trinkwasser für Zomba und Umgebung her, wie uns Chimsy erklärte. Wir waren sehr erstaunt, denn die Umgebung sah nicht viel anders aus wie in der Schweiz. Es hatte einen See, Wald und Berge. Diesem Ort gaben wir deshalb den Namen ‘Swiss- Malawi’. Nach einer eher grösseren Fotosession gingen wir weiter und liefen, bis wir an unser Ziel, einen Aussichtspunkt, kamen. Dort kamen wir ins Gespräch mit zwei Einheimischen. Irgendwie kam zur Sprache, dass wir aus der Schweiz sind. Das darauffolgende Gespräch lief in etwa so ab:
Bernhard: "Wait, you guys are from Switzerland? Are you from Bern?”
Wir (etwas verwundert): “Yes we are from Bern”
Bernhard: “Do you know Marc Wagner?”
Wir (völlig aus dem Häuschen): “Who are you?!? Marc is our Lecturer!"
Es stellte sich heraus, dass Bernhard mit Marc Wagner am Childrens Songbook gearbeitet hat. Völlig geflasht von diesem unglaublichen Zufall, machten wir gleich Fotos mit ihm, sendeten sie mit lieben Grüssen an Marc und tauschten noch Nummern aus, um die Bilder zu teilen. Bernhards Freund Billy war dann so nett und nahm uns mit seinem Auto wieder den Berg hinunter. Wir luden Chimsy in Zomba aus und Billy und Bernhard stellten sicher, dass wir Wasser kaufen konnten und einen guten, schnellen Minibus zurück nach Machinga erwischten. Wir waren ihnen sehr dankbar, denn es war ohnehin schon sehr spät und wir mussten bei Zeiten zurück am Campus sein.
Es war ein ereignisreiches Wochenende und dementsprechend müde kamen wir wieder am Campus an, etwas zu spät für die Ausgangssperre, aber die Guards liessen es uns noch durchgehen. Völlig kaputt aber mit einer ganzen Ladung neuer Geschichten fielen wir ins Bett und schliefen wahrscheinlich alle ziemlich schnell ein.










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