10.03.2018 – Liwonde Nationalpark & Heimkehr ans TTC
- andrina37
- 4. Juni 2018
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 10. Mai 2021

Am Samstagmorgen wurden wir bereits um 7:30 Uhr von einem Fahrer des TTC’s abgeholt. Im Schlepptau hatte er Daniel, John und Marry, drei Mitstudierende, welche wir einluden mit uns in den Nationalpark zu kommen. Wir freuten uns sehr diese drei wiederzusehen, waren aber auch traurig, da wir uns schweren Herzens von unseren Freunden der Nanthomba Primary School verabschieden mussten.
Nach einer kurzen Abschiedsszene machten wir uns auf den Weg zum Nationalpark, wo wir mit den beiden Englischlehrerinnen der Primary School auf eine Landsafari gingen. Unser Guid fragte uns zu Beginn, was wir von der Safari erwarteten. Die Antwort war fast einstimmig: Elefanten. Wir wollten alle den sanften Riesen Afrikas sehen. Natürlich waren aber auch alle anderen Tiere willkommen. Wir fuhren also los und waren noch nicht lange unterwegs, da sahen wir schon Affen und Antilopen. Der Guide hielt den Wagen kurz an und gab uns einige Informationen zu den Tieren und deren momentanes Verhalten. Immer wieder fragte er uns auch Dinge, um unser eigenes Wissen zu testen. Einige Minuten später trafen wir auf dem Weg ein Zebrapaar an. Diese seien anscheinend immer gemeinsam unterwegs. Unser Guide war super. Immer wieder staunten wir über sein genaues Wissen über die Tiere. Er erkannte die meisten von ihnen wieder und weiss genau über ihr Verhalten und deren Gründe Bescheid. Unterwegs sahen wir noch verschiedene Vogelarten, Büffel, viele Antilopen (in zwei verschiedenen Arten) und Affen. Immer wieder fanden wir Anzeichen dafür, dass Elefanten in der Nähe sein könnten, wie Kot, abgekaute Bäume oder Spuren im hohen Grass. Diesen Zeichen folgten wir natürlich, in der Hoffnung deren Verursacher zu begegnen. Leider hatten diese wohl andere Pläne. Die ganze Zeit durch entdeckten wir keinen einzelnen Elefanten. Dafür hatten ihr Spuren spannendes zu bieten. In einem Elefantenkot entdeckte unser Guide einen Mistkäfer. Er freute sich darüber wie ein kleines Kind an Weihnachten und erzählte uns ganz fasziniert, was der Käfer da genau machte. Es klang etwas wie in einem ziemlich lustigen Dokumentarfilm, jede Bewegung wurde kommentiert. Wir lernten, dass die Mistkäfermännchen aus dem Tierkot einen möglichst grossen und schönen Ball formt und ihn dann seiner angebeteten präsentiert. Das Weibchen entscheidet dann, ob dieser Mistball es wert ist, ihre Eier darin zu legen. Anscheinend kommt es oft vor, dass die Weibchen dann ziemlich anspruchsvoll sind und ihr Männchen zurückschicken um einen neuen Ball zu basteln. Während dem Erklären sprach der Guide auch immer wieder mit dem Käfer, So kamen Kommentare wie «Oh, a beautiful big ball of dung you have here Mister.» oder «I hope your wife is not too picky». Als wir uns dann wieder auf den Weg machten verabschiedete er sich mit «Good luck little friend!». Die ganze Situation war ziemlich amüsant. Nach etwa 2 Stunden Fahrt hielten wir am Flussufer an, um uns die Füsse etwas zu vertreten. Auf dem Rückweg versuchten wir nochmals unser Glück mit dem Verfolgen von Elefantenspuren, kamen nochmals beim Mistkäferkot vorbei, wobei der Käfer nicht mehr da war. Der hat es wohl gewagt sein Werk vorzuführen. Einige Zeit später kamen wir wieder im Mvuu Camp (unser Ausgangspunkt) an. Ohne einen Elefanten gesichtet zu haben, aber mit vielen tollen Bildern und einer guten Portion ‘afrikanischer Wildnis’ und grossem Hunger. Wir nahmen im Mvuu Camp (‘Mvuu’ bedeutet übrigens ‘Hippo’) ein Mittagessen zu uns und erzählten unseren Freunden vom TTC, was wir in der vergangenen Woche alles so erlebt haben. Das Camp liegt direkt am Shire River. Von unserem Esstisch aus hatten wir eine wunderbare Aussicht auf den Fluss. Irgendwann lief ich mit Daniel zum Flussufer, um zu sehen, ob wir Hippos sichten würden. Und tatsächlich waren da mindestens 3 Exemplare im Wasser. Nachdem wir einige Fotos von den Tieren und von uns gemacht haben, bezahlten wir die Tour und das Essen und machten uns auf den Weg zurück zu unserem Driver.
Auf dem Weg zurück nach Machinga liefen wieder Kinder unserem Auto nach und riefen «Botolo». Wir haben dieses Mal unsere leeren Pet- Flaschen dabei und warfen sie aus dem Autofenster. Da ergab sich eine Szene, welche mir ein Leben lang im Gedächtnis bleiben wird. Wir fuhren an einem kleinen Mädchen vorbei. Sie hielt eine metallene Schale in der Hand, welche irgendetwas enthielt. Sie sah uns und streckte eine Hand uns entgegen und rief ebenfalls «Botolo!». Ich warf meine Flasche ihr entgegen. Als sie das sah, warf sie die Schale mitsamt Inhalt weg und rannte zur Flasche. Dies war wohl der erste Moment, in welchem ich so richtig realisierte, wie arm dieses Land ist. Bisher haben wir praktisch immer gut gehaust, hatten immer etwas zu Essen. Natürlich war alles viel einfacher und das Essen eintöniger, als wir es uns gewohnt waren und Wasser hatten wir auch nicht unbedingt regelmässig. Aber wir hatten eigentlich trotzdem alles und sogar schon mehr, als wir zum Überleben brauchten. Aber da war dieses Mädchen. Ein kleines Kind, welches einem Auto mit scheinbar reichen weissen Menschen «Botolo» nachruft, mit der schwachen Hoffnung, eine Flasche zu erhalten, um Wasser mit in die Schule nehmen zu können. Und wird dann wirklich so eine Flasche geworfen, ist alles um sie herum plötzlich unwichtig. Sogar der Behälter, welche kurz zuvor noch gehalten hat. Ihr einziges Ziel ist es jetzt diese Flasche zu erreichen, bevor sie ein anderes Kind schnappen kann. Eine Flasche, welche wir in der Schweiz vielleicht kaufen, austrinken und dann wie selbstverständlich und in Unmengen wegwerfen. Etwas dass wir für wertlosen Abfall erachten, bedeutet für dieses Mädchen und für viele andere Kinder in Malawi so viel mehr, ist für sie ein wertvoller Schatz, den es zu beschützen gilt. Diese Erkenntnis schlug in diesem Moment auf mich ein und trieb mir Tränen in die Augen. Ich denke in diesem Moment habe ich für mich festgemacht, dass ich zumindest einen Teil meines Lebens in dieses Land und seine Kinder investieren will.
Der Rest der Fahrt war dann wieder etwas fröhlicher. Wir freuten uns sehr, all unsere Freunde vom TTC wieder zu sehen. Zudem vermissten wir auch den Tea Break. Wir teilten Schweizer Snacks wie Blevitas und Gummibärchen mit unseren drei Freunden und dem Fahrer und witzelten herum.
Wir sahen das TTC schon von weitem und ein Gefühl der Heimat erfüllte uns. Wir stiegen aus dem Auto, brachten das Gepäck in unser Zimmer und gingen gleich wieder nach draussen, denn es war bereits Supper time. Auf dem Weg in die Multipurpuse hall erwartete uns ein wunderschöner Sonnenuntergang. Auch trafen wir wie immer viele unserer Mitstudierenden. Und wie damals, an unserem ersten Tag am TTC, erhielten wir verschiedenste Reaktionen. Die meisten jedoch sagten uns, sie hätten uns vermisst und wo wir denn gewesen waren. Anscheinend hat sich in dieser Woche auch das Gerücht verbreitet, wir seien wieder zurück in die Schweiz gegangen. Es war auf jeden Fall schön, wieder hier zu sein.
Am Abend gingen wir wieder in die Bible Study Group. Dort machten wir gleich mit Chimsy, dem Leiter der Gruppe, ab, dass wir am nächsten Tag gemeinsam auf den Zomba Mountain wandern.
Einige Tierfotos, die entschanden sind
























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