05.03. – 09.03.2018 – Teaching Practise in Nanthomba Primary School, Balaka District
- andrina37
- 4. Juni 2018
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 10. Mai 2021

Da am Montag ein landesweiter Feiertag war, mussten wir erst im Verlaufe des Tages nach Balaka aufbrechen. Nach dem Mittagessen packten wir unsere sieben Sachen in den Transporter, welcher uns zur Nanthomba Primary School bringen wird, wo wir eine Woche lang ein Praktikum absolvieren werden. Zusätzlich zu unserem Gepäck gab uns das TTC noch je eine Matratze mit, welche auf das Dach des Transporters gebunden wurden. Die Reise war ziemlich lang und holprig, jedoch waren wir uns das ja schon etwas gewöhnt. Während wir da durch kleine Dörfchen fuhren, rannten immer wieder Kinder dem Auto hinterher und riefen: «Botolo!», was so viel wie «Flasche» bedeutet. Madame Tim, welche uns begleitete, erklärte uns, dass die Kinder für leere Pet- Flaschen bettelten, damit sie Wasser mit in die Schule nehmen können. Wir entschieden uns wohl alle drei in diesem Moment, dass wir in dieser Woche unsere Pet-Flaschen aufbewahren.
Als wir in der Schule ankamen, wurden wir von den weiblichen Student Teachers in Empfang genommen. Unsere Koffer und Matratzen wurden in das Haus, in welchem wir die Woche durch mit den Lehrerinnen wohnen werden, gebracht. Wir bezogen unser Zimmer und wurden dann von unseren Mitbewohnerinnen etwas herumgeführt. Auch die männlichen Student Teachers lernten wir kennen, wobei sich jeder kurz vorstellte. Dies wurde vor allem dann lustig, als sich einer wie folgt vorstellte: «Hi, I am Special.». Wir brauchten eine Weile, bis wir begriffen, dass Special sein wirklicher Name ist und er uns nicht etwa sagen wollte, wie speziell er ist.
Am Dienstagmorgen mussten wir um 7:00 Uhr im Büro des Schulleiters sein. Dort versammelten sich alle Lehrpersonen und die Student Teachers. Wir wurden einander offiziell vorgestellt und wir erläuterten kurz, wieso wir diese Woche hier verbringen werden und was unsere Wünsche und Erwartungen waren. Nach dieser kurzen Vorstellungsrunde ging es nach draussen, für das alltägliche Morning Assembly. Jeden Morgen versammeln sich alle Kinder und Lehrpersonen in Klassen aufgestellt auf dem Schulhof, um gemeinsam die Nationalhymne zu singen. Wenn das Ok der zuständigen Lehrperson gegeben wird, stürmen alle Kinder in ihre Klassenzimmer. Wir drei teilten uns auf und sassen einfach mal in ein Klassenzimmer und schauten dem Unterricht zu. Dies war in etwa der Ablauf der ersten zwei Tage. Wir wechselten in den Pausen ab und zu die Klasse, damit wir möglichst alle sehen. Ich jedoch entschied mich am Mittwochmorgen in eine dritte Klasse (die Klasse von Special und Emmanuel) zu gehen. Der Unterricht war fast gänzlich auf Chichewa. Ich verstand nicht sehr viel, jedoch konnte ich einiges aus dem Kontext herausnehmen und ich höre diese Sprache so gerne, dass es mir rein gar nichts ausmachte. Ich blieb also den ganzen Tag in dieser Klasse. Special und Emmanuel gaben mir manchmal auch ihre Planung, damit ich auch so dem Unterricht etwas folgen konnte. Über Mittag besprachen Vera, Corina und ich, dass wir doch irgendwann gerne auch eine Lektion unterrichten würden und entschieden uns, bei den Student Teachers nachzufragen, ob dies möglich sei. Corina und ich konnten uns gleich eine Englischlektion in einer dritten Klasse ergattern, ich in meiner Klasse bei Special und Emmanuel und Corina bei Litnes. Vera machte mit Pemphero ab, dass sie am Freitag in ihrer sechsten Klasse ebenfalls Englisch unterrichten kann.
Am Abend wartete ich also darauf, dass Emmanuel die Zeit hatte, die Lektion mit mir zu besprechen. Dies war so ungefähr um 22:00 Uhr. Wir sassen kurz zusammen und er erklärte mir, was ich zu tun hatte. Ich musste mit den Kindern den Gebrauch von Anführungs- uns Schlusszeichen repetieren. Glücklicherweise sind die Lehrerkommentare zu den Lehrmitteln in Malawi so aufgebaut, dass zu jeder Lektion genau steht, wie man es unterrichten soll und was man in etwa sagen kann. Das heisst ich musste nicht viel vorbereiten, sondern konnte gerade das übernehmen.
Am nächsten Morgen, in der dritten Lektion, war es dann so weit. Ich stand vor die Klasse und machte eine Einführung, genauso wie es im Kommentar vorgeschlagen wurde. Die Kinder sollten mögliche Unfälle in der Schule oder zu Hause aufzählen. Ich hatte jedoch mit einem höheren Englischniveau der Kinder gerechnet. Vielleicht lag es auch daran, dass ich einen anderen Akzent habe als die Malawier. Jedenfalls verstanden mich die Kinder nicht. Oder sie verstanden die Aufgabe nicht. Eigentlich weiss ich gar nicht, was sie verstanden und was nicht. Ich konnte kein Chichewa und die Kinder zu wenig Englisch, um dies herauszufinden. Also versuchte ich die Aufgabe mit Bildern und Gesten verständlicher zu machen. Ich zeichnete ein Feuer an die Wandtafel und tat so, als würde ich mich daran verbrennen. Ich nahm ein Messer und spielte vor, wie ich mich damit schneide. Allmählich verstanden ein paar Kinder was ich von ihnen wollte und zählten einige Dinge auf. Natürlich hat dieser Teil der Lektion nun viel mehr Zeit in Anspruch genommen, als ursprünglich geplant. Der Rest der Lektion verlief ungefähr gleich. Ich erklärte, wie man die Anführungs- und Schlusszeichen setzt und liess einige Schülerinnen und Schüler an der Wandtafel demonstrieren. Als dann die Arbeit in ihrem Heft drankam, war ich damit beschäftigt von Pult zu Pult zu laufen und die Aufgabe wieder und wieder zu erklären. Als die Lektion dem Ende zukam, waren noch nicht annähernd alle Kinder mit der Aufgabe fertig. Trotzdem beendete ich den Unterricht, da sie immer unruhiger wurden und definitiv eine Pause brauchten. Ich übrigens auch. Die Lektion war für mich sehr anstrengend. Es ist schwierig etwas auf Englisch so zu erklären, dass es jemand, der praktisch kein Englisch kann, versteht. Dies ist auch sehr frustrierend, weil man nie genau weiss, wie viel die Kinder nun gelernt haben. Obwohl das Thema für die Lernenden eine Repetition war, musste ich sagen, dass ich keine Ahnung habe, ob sie nun wissen, was Anführungs- und Schlusszeichen nun sind. Ich habe wohl sehr müde ausgesehen, denn Emmanuel meinte, ich solle mich etwas ausruhen gehen.
Bei Corina und Vera liefen die Lektionen anscheinend besser. Corina unterrichtete in den nächsten Tagen sogar spontan noch 2 Lektionen mehr in verschiedenen Klassen.
Neben dem Unterricht haben wir natürlich noch viele andere Dinge erlebt. Wir haben die Gegend ausgekundschaftet, Begegnungen mit angsteinflössenden, riesigen Insekten gemacht, mit einigen Kindern und Lehrern Fussball gespielt, tolle und tiefe Gespräche geführt, den Student Teachers das Spiel UNO beigebracht und ein Musikvideo gedreht für die Band Trinity gedreht. Während der ganzen Woche wurden wir von unseren Mitbewohnerinnen bekocht. An einem Abend wollten wir dann mal für sie Spagetti kochen. Das Ganze wurde zu einer ziemlich lustigen Angelegenheit. Wir haben alle 3 noch nie auf Kohle gekocht und stellten es uns als sehr einfach vor, kein Problem also. Haha, denkste! Wir kochten die Spagetti eine gefühlte Ewigkeit und sie wollten einfach nicht weich werden. Als wir uns dann endlich entschieden die Spagetti aus dem Wasser zu nehmen (wir waren inzwischen alle sehr hungrig) wurden sie plötzlich zu einem aufgeweichten, etwas schleimigen und faden Klumpen Irgendwas. Gegessen wurden sie natürlich trotzdem, aber wir kamen uns ziemlich unfähig vor. Vor allem als unsere Mitbewohnerinnen ein paar Tage später auch Spagetti kochten und diese perfekt waren. Wir gaben dann einfach der Hitze der Kohle die Schuld, an welche wir uns nicht gewöhnt waren.
Und plötzlich war es Freitag. Unser letzter Tag in Nanthomba. Uns kam es vor, als wäre diese Woche wie im Flug vorbeigerast. Gleichzeitig fühlten wir uns, als wären wir schon mehrere Monate an diesem Ort. Wir fühlten uns zu Hause, kannten die Gegend, die Menschen und ihre Gewohnheiten. An diesem Abend planten die Student Teachers einen Tanzabend, um uns zu verabschieden. Während wir auf dieses Happening warteten, brachten wir ihnen noch kleine Geschenke um unsere Dankbarkeit auszudrücken (Stifte, Stempel, Klebeband, das Uno, welches wir an einem Abend mal gemeinsam spielten, etc.).
So gegen 10 Uhr abends kamen die Jungs zu unserem Haus und Installierten ihren Radio in unserem Esszimmer. Der Tisch wurde aus dem Weg geräumt und die Stühle auch, damit man genügend Platz zum tanzen hat. Alle freuten sich sehr auf den Abend. Jedoch machte uns die Stereoanlage einen Strich durch die Rechnung. Aus irgendeinem Grund funktionierte sie nicht. Nach mehreren Anlaufversuchen und etlichem Umstecken des Kabels, mussten wir einsehen, dass wohl leider nichts aus unserem Tanzabend werden wird. Enttäuscht gingen einige ins Bett. Andere blieben aber noch mit uns etwas auf der Veranda sitzen. Wir führten super Gespräche über Kultur, Malaria, Geld, Glauben, Musik und vieles mehr. Ich denke an diesem Abend haben sich einige Freundschaften noch etwas mehr gefestigt.














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